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Veröffentlicht 2022, aktualisiert am 01.02.26, OER-Lizenz CC BY-SA (Öffnet in einem neuen Tab)
Ehrenamt in der Grundbildung ist bislang eher eine Seltenheit. Daher sollten Sie der Bewerbung Ihres Einsatzfeldes besondere Aufmerksamkeit schenken und immer daran denken, dass Sie Ehrenamtliche auf ein solches Engagement erst aufmerksam machen müssen. In dieser Lektion erhalten Sie wertvolle Tipps aus der Praxis für eine gelingende Akquise.
Ehrenamtliche finden – Aber wo und wie?
Viele Wege führen zum Ziel – auch bei der Akquise von ehrenamtlichen Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern. Diese geschieht sehr häufig über einen persönlichen Kontakt, die direkte Ansprache oder Mund-zu-Mund-Propaganda. Zusätzlich können Ehrenamtliche über die klassischen Kanäle der Öffentlichkeitsarbeit und Ehrenamtsagenturen gesucht werden.
- Sehr viel Aufmerksamkeit finden beispielsweise Artikel und Aufrufe in der lokalen Presse oder in Programmheften (wie z.B. dem der Volkshochschule).
- Zusätzlich kann mit Aushängen oder Flyern in der Einrichtung, in der Stadt, im Kreis oder bei passenden Veranstaltungen (wie etwa einem städtischen Lesefestival) erfolgreich für das ehrenamtliche Einsatzfeld geworben werden.
- In heutigen Zeiten können auch über Social Media Seiten oder lokale Facebook-Gruppen Ehrenamtliche gefunden werden.
- Ein weiterer Zugang zu potenziellen Ehrenamtlichen ergibt sich eventuell über bestehende Strukturen, etwa wenn Ehrenamtliche bereits in anderen Funktionen in den Einrichtungen mitarbeiten.
Auch Kooperationen mit benachbarten Einrichtungen, Ehrenamtsagenturen oder Projekten zur Gewinnung von Ehrenamtlichen sind eine Möglichkeit. Einrichtungen können sich mit ihren Gesuchen zum Beispiel bei einer Ehrenamtsagentur in ihrer Region bzw. ihrer Stadt registrieren lassen.
Welche Informationen gehören in ein Gesuch?
Anzeigen sollten in aller Kürze die nötigen Informationen für interessierte Ehrenamtliche bereithalten. Gegebenenfalls muss die Zielgruppe (z.B. muttersprachliche Erwachsene, jugendliche Auszubildende) genau definiert und der jeweilige Tätigkeitsschwerpunkt in den Anzeigen präzise formuliert werden. Nennen Sie die konkreten Tätigkeiten, etwa Lesen und Schreiben üben, PC-Kenntnisse vermitteln oder fachspezifische Aufgaben erschließen und üben (wie z.B. Berichtshefte und Dokumentationen schreiben).
Hilfreich ist es, schon in der Ausschreibung auf die Besonderheiten des Lernens mit erwachsenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Alphabetisierungs- und Grundbildungsbereich einzugehen. Die häufig negative Schulerfahrung und die besondere Sensibilität dieser Lernenden bringt es mit sich, dass sie auf eine besonders wohlwollende, geduldige, wertschätzende und motivierende Art des Gegenübers angewiesen sind, um sich überhaupt auf den Lernprozess einlassen zu können. Eine sichere und positive Lernbeziehungserfahrung ist für sie essenziell.
Allein mit den beiden Anzeigen in der Abbildung sowie mit einem Eintrag bei der regionalen Ehrenamtsagentur wurden damals 18 Ehrenamtliche im Raum Trier für die Begleitung Erwachsener mit Deutsch als Erstsprache im Rahmen des Projektes akquiriert. So entstand ein fester Pool mit Personen, die sich kontinuierlich engagierten und auch nach Beendigung eines Tandems ihre ehrenamtliche Arbeit fortsetzten.
Akquise über Kooperationspartner

Auch das Projekt 1zu1 Basics von der vhs Frankfurt bindet Ehrenamtliche in Grundbildungsangebote mit ein. Wie die Ehrenamtlichenakquise hier abläuft – nämlich ein wenig anders als in Trier, was die Ehrenamtlichen mitbringen sollten und welche Strukturen vor Ort bei der Akquise helfen, hat uns Dr. Barbara Dietsche im folgenden Interview verraten.

Die Volkshochschule Pankow hat 2024 einen vhs-Lerntreff im Stadtteilzentrum ins Leben gerufen. Im Interview erklärt Diana Stuckatz, Programmbereichsleiterin für Sprachen, Grundbildung und Qualitätsmanagement, was diesen ausmacht, welche Rolle Ehrenamtliche dabei spielen und wie man sie gewinnt und einbindet.
Zwei Hinweise zum Abschluss
- Nicht vergessen werden sollte, dass auch Lernende akquiriert werden müssen! Je nach Akquiseaktivitäten kann es passieren, dass die Einrichtung entweder eine zu große Anzahl an Ehrenamtlichen oder an Lernenden hat. Daher sollten beide Akquisephasen in Übereinstimmung gebracht werden.
- Ehrenamtliche brauchen Anerkennung für ihren Einsatz! Fortlaufende Öffentlichkeitsarbeit, auch ohne Akquise-Absichten, kann für Ehrenamtliche ein stärkendes Moment sein und sollte genutzt werden. Die öffentliche Wahrnehmung drückt Anerkennung und Respekt für die geleistete Arbeit aus und honoriert sie damit mittelbar.
Weiterführende Materialien
Weisen Sie an Ihrem Einsatzfeld interessierte Personen gerne auf das Dossier „Sensibler Umgang mit Lese- und Schreibschwierigkeiten“ hin.