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Veröffentlicht 2018, aktualisiert am 01.02.26, OER-Lizenz CC BY-SA (Öffnet in einem neuen Tab)
Was glauben Sie: Was ist ein Fehler? In der fremdsprachlichen Diskussion gibt es mehrere Definitionen. Ein Fehler ist zunächst eine unbewusste Abweichung von der Norm. Oft wird als Fehler angesehen, was das Verständnis zwischen Kommunikationspartner*innen erschwert.
Fehlerursachen
Die Ursachen für Fehler können sehr unterschiedlich sein. Sie können aus der Erstsprache der Lernenden kommen, wenn sie Strukturen ihrer Erstsprache falsch auf das Deutsche anwenden (Interferenz). Ein gutes Beispiel dafür ist die Altersangabe im Französischen. Dort heißt es „J’ai 27 ans“, also wörtlich übersetzt „Ich habe 27 Jahre“. Es kann also vorkommen, dass Französischsprachler*innen, die gerade Deutsch lernen, diesen Fehler machen. Auch aus anderen Herkunftssprachen heraus können solche Fehler geschehen.
Oder aber es kommt zur sogenannten Übergeneralisierung, bei der Deutschlernende eine neu erlernte Regel auf alle sprachlichen Elemente anwenden. Dabei wird diese Regel aber nicht auf alle sprachlichen Elemente zutreffen. Haben Lernende gerade entdeckt, dass der Plural von „Foto“ durch Anhängen eines –s gebildet wird, so kann es sein, dass sie diese Regel auf Nomen anwenden, auf die sie nicht zutrifft und zum Beispiel den Plural von „Ball“ als „Balls“ bilden. Darüber hinaus gibt es aber natürlich auch Flüchtigkeitsfehler, die zum Beispiel aus Übermüdung, Stress oder Nervosität heraus entstehen.
In der Fachdiskussion gibt es keine einheitliche Definition von dem, was ein Fehler ist. Fehlerursachen sind ebenfalls unterschiedlich. Sie können aus der Erstsprache der Lernenden stammen oder sie entstehen, weil sie eine neu gelernte Regel auf alle sprachlichen Elemente anwenden. Übermüdung, Stress oder Nervosität sind ebenfalls mögliche Fehlerursachen.
Fehlerkorrektur
Innerhalb einer Gesprächssituation, in der die sprechende Person etwas über sich erzählt, ist eine Korrektur durch das Gegenüber nicht sinnvoll, sondern störend. Auch wenn die sprechende Person im Redefluss ist, kann die Korrektur eines Fehlers hinderlich sein. Eine sofortige Korrektur stört den Redefluss, den Gedankengang und die Formulierung. In unserer Bildershow bekommen Sie ein paar Tipps, wie Sie die Fehler korrigieren können, ohne den Gesprächsfluss zu stören oder Ihr Gegenüber zu demotivieren.
Direktes korrigieren
Verzögertes korrigieren
Spätes korrigieren
Selbstkorrektur
Bitte beachten Sie, dass die Art der Fehlerkorrektur immer von Ihrem Gegenüber abhängen sollte. Schüchterne oder ruhigere Menschen sollten Sie nicht mit einer allzu störenden Methode korrigieren. Eine Person, die andauernd korrigiert wird, verliert die Lust auf das Sprechen und den Mut dazu.
Sich ausdrücken steht über dem Grammatiklernen
Sie mögen denken, dass man jeden Fehler in jeder Phase des Spracherwerbs korrigieren muss. Schließlich ist es wichtig, dass man von Anfang an richtiges Deutsch lernt. Die aktuelle Methodik des Fremdsprachenlernens sieht die Sprache als Handlung, mit der die Lernenden sich und ihre Bedürfnisse ausdrücken. Die Grammatik ist hierbei ein Werkzeug, mit dessen Hilfe Lernende sprachliche Ziele erreichen. Besonders für Geflüchtete ist es wichtig, sich auszudrücken und sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden: Es ist wichtiger, dass sie nach dem Weg fragen können, als zu wissen, dass „mir“ ein Personalpronomen in der ersten Person Singular Dativ ist.
- Antworten Sie auf einzelne, einfache Fragen, aber verweisen Sie bei komplizierten Fragen immer auf die Lehrkraft im Integrations- oder Sprachkurs.
- Bei Fragen zur Grammatik, die in ihrer Erklärung viel zu kompliziert sind, verweisen Sie auf einen späteren Zeitpunkt im Fremdspracherwerb.
- Sollten Sie mal eine Frage nicht beantworten können, dann haben Sie keine Scheu, das zu äußern.
- Sie können die Geflüchteten auf Materialien zum Grammatiklernen hinweisen, die sie anregen, grammatikalische Strukturen selbst zu entdecken oder sie mit den Regeln ihrer eigenen Muttersprache zu vergleichen. Solches Material finden Sie in fast jedem Lehrwerk.
Umgang mit Fehlern und Korrekturen ist ein sehr heikles Thema. Es ist wichtig zu bedenken, dass wir andere Menschen korrigieren – und „Irren ist menschlich“, oder? Sie als ehrenamtliche Sprachbegleiter und Sprachbegleiterinnen sind sehr wichtig für den ersten Kontakt der Geflüchteten mit der Sprache. Trainieren Sie mit das Sprechen und Hören, üben Sie gemeinsam den Wortschatz und vermitteln Sie lebendige Kultur – die systematische Sprach- und Grammatikvermittlung aber muss im Rahmen der Integrations- oder Sprachkurse von ausgebildeten Fachkräften übernommen werden.
Autor*innen
OER-Lizenz CC BY-SA
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Als Urheber ist der Deutsche Volkshochschul-Verband e. V. zu nennen.