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Veröffentlicht 2018, aktualisiert am 01.02.26, OER-Lizenz CC BY-SA (Öffnet in einem neuen Tab)
Lernzeit gestalten – Die vier Fertigkeiten
Sprache ist ein wichtiges Instrument. Um den Alltag zu bewältigen, müssen Lerner*innen verstehen, was sie hören oder lesen und sie müssen in der Lage sein, sich mündlich oder schriftlich auszudrücken. Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben sind die Bereiche, die man im Fremdsprachenunterricht die vier Fertigkeiten nennt. Hinzu kommt der Wortschatz, denn ohne Wortschatz kann keine Kommunikation stattfinden. Um Lerner*innen besser unterstützen zu können, möchten wir Ihnen an dieser Stelle einige Methoden, die einfach zu verwenden sind und einen spielerischen Ansatz haben.
Die Fertigkeit Sprechen

Sprechen ist eine der wichtigsten Kompetenzen für jede Person, die Deutsch lernt, insbesondere für Geflüchtete. Sie müssen sich schnell in der neuen Umgebung zurechtfinden und mit ihren Mitmenschen kommunizieren können. Es ist wichtig, dass sie sich und ihre Wünsche ausdrücken können. Nicht zuletzt wird damit der Grundstein für Integration gelegt.
Richten Sie sich nach den Bedürfnissen der Lerner*innen und unterstützen Sie beim Deutschlernen, indem Sie alltagsrelevante Situationen üben. Konkrete Tipps, wie Sie das Sprechen üben können, erhalten Sie im Praxisvideo.
- Sprechen ist eine der produktiven Fertigkeiten, das heißt, die Lernenden produzieren etwas. Die zweite produktive Fertigkeit ist das Schreiben.
- Sie als Ehrenamtliche können eine große Unterstützung sein und wesentlich dazu beitragen, dass Lerner*innen das Sprechen üben.
- Bieten Sie den Lernenden die Gelegenheit, sich mit Ihnen und untereinander zu unterhalten und dadurch das Sprechen gezielt zu trainieren.
- Beim Sprechen ist es wichtig, dass die Sprechenden sich ausdrücken können. Die Korrektheit ist im ersten Moment nicht so wichtig. Die Fokussierung auf eine grammatikalische Korrektheit wird zu einem späteren Zeitpunkt wichtig.
- Nutzen Sie den kleinen Rahmen zum Üben. Wenn Sie in einem Tandem lernen oder eine kleine Gruppe beim Deutschlernen begleiten, haben Sie mehr Gelegenheit, das Sprechen zu üben, als in einer großen Gruppe.
Die Fertigkeit Hören
Sprechen und Hören gehen in einer Gesprächssituation Hand in Hand, denn das Gesagte muss vom Gegenüber gehört und verstanden werden.
- Das Hörverstehen gehört zu den sogenannten rezeptiven Fertigkeiten, da die Lernenden nichts selbst produzieren, sondern Informationen aufnehmen. Die andere rezeptive Fertigkeit ist das Lesen.
- Etwas zu hören bedeutet, Sprachsignalen einen Sinn zuzuweisen. Diese Sprachsignale sind – im Vergleich zu einem Lesetext – flüchtig, das heißt, es ist nicht immer leicht, das Gesagte zu verstehen.
- Wenn Lernende versuchen bei einem Hörtext alles zu verstehen, aber Probleme damit haben, geraten viele von ihnen unter Stress.
- Deshalb ist es wichtig, das Hörverständnis so oft wie möglich zu trainieren.
- Eine gute Möglichkeit, das Hörverstehen gezielt zu üben, ist das Abspielen von Hördateien wie Dialogen, Berichten, Reportagen oder Liedern – passend zum Niveau der Hörer*innen.
Wenn Sie das Verstehen eines Hörtextes oder eines Textes üben, denken Sie daran: Es geht nicht darum, alles zu verstehen, sondern darum, bestimmte Informationen zu finden.
Die Fertigkeit Lesen

Schriftliches ist überall und es ist für uns alle wichtig, das Gelesene im Alltag zu verstehen. Insbesondere für geflüchtete Menschen gilt das auch für das Lesen und Verstehen von Formularen oder behördlichen Schreiben.
Vermitteln Sie den Lernenden Strategien zum Umgang mit unbekannten Wörtern. Gibt es Vokabeln, die mit einem bereits bekannten Wort verwandt sind und die man sich so herleiten könnte? Manche Wörter im Text sind den Lernenden vielleicht schon aus anderen Sprachen bekannt, vielleicht gibt es auch ähnliche Wörter in der Erstsprache. Das ist abhängig von der Erstsprache der Lernenden und von ihrer Erfahrung mit Fremdsprachen. Wie können Sie helfen, das Lesen gezielt zu üben? Sehen Sie sich das Praxisvideo an.
- Neben dem Hörverstehen ist das Leseverstehen die zweite rezeptive Fertigkeit.
- Meistens muss man nicht jedes einzelne Wort verstehen, um den Inhalt eines Textes zu verstehen.
- Vielmehr geht es darum, gezielt Informationen im Text herauszufinden.
- Techniken wie das Markieren von Schlüsselwörtern helfen dabei.
Die Fertigkeit Schreiben

Schreiben ist eine der komplexeren Kompetenzen. Es ist wichtig, dass Sie die Lernenden auf das Schreiben vorbereiten, zum Beispiel durch Mind-Maps. Formen des kreativen Schreibens wie das Akrostichon oder das Elfchen sind sehr beliebt und können flexibel an das Niveau der Lernenden angepasst werden. Sehen Sie sich das Video an. Dort bekommen Sie konkrete Tipps, wie Sie das Schreiben der Lernenden anregen können.
- Schreiben ist neben Sprechen eine der produktiven Fertigkeiten; das heißt, die Lernenden produzieren etwas, in diesem Fall einen schriftlichen Text.
- Bei schriftlichen Texten kommt es viel mehr auf die Korrektheit der Form an als bei gesprochenen Texten.
- Ein weißes Blatt Papier, das Lerner*innen nicht mit Inhalt füllen können, kann zu einer großen Herausforderung werden.
- Sie können Lerner*innen zum Schreiben motivieren, indem Sie kreativ mit dem Schreiben umgehen. Kreatives Schreiben ist förderlich und macht Spaß.
Wichtig für alle Fertigkeiten: Der Wortschatz

Wortschatz ist enorm wichtig für die Entfaltung aller Fertigkeiten, denn ohne Wortschatz kann keine Kommunikation stattfinden. Vokabellernen ist wichtig! Wiederholen und üben Sie den Wortschatz gemeinsam, denn ohne Wortschatz kann keine Kommunikation stattfinden. Wie das geht, erfahren Sie in unserem Praxisvideo!
- Es geht nicht darum, Grammatik und Wortschatz gegeneinander auszuspielen. Beide Bereiche haben ihre Berechtigung beim Erlenen einer Sprache!
- Jedoch spielt für den ersten Kontakt mit einer neuen Sprache der Wortschatz zunächst eine wichtigere Rolle als das Wissen von Regeln.
- Es ist sehr wichtig, dass neue Wörter im Kontext gelernt und geübt werden.
- Beim Wortschatz unterscheidet man zwischen drei Phasen: das Einführen neuer Wörter, das Üben und anschließend das Anwenden der neu gelernten Vokabeln.
Weiterführende Materialien
Das vhs-Ehrenamtsportal hat bewährte Materialien überarbeitet und in einem praktischen Ordner gebündelt. Er enthält 24 Lerneinheiten zur Vermittlung erster Deutschkenntnisse. Alle Übungsblätter behandeln Alltagsthemen – vom Einkaufen über Termine und Jobsuche bis zur Mülltrennung. Die Materialien eignen sich für die ehrenamtliche 1zu1-Begleitung und den Einsatz in Lerncafés. Wie gut die Arbeitsblätter in der Praxis ankommen, sehen Sie im Praxisbeispiel über den vhs-Lerntreff in Rhön-Grabfeld.