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Veröffentlicht 2024, aktualisiert am 01.02.26, OER-Lizenz CC BY-SA (Öffnet in einem neuen Tab)
Erwartungen im Ehrenamt
Ehrenamtliche sind in vielen verschiedenen Bereichen tätig. Neben diversen Rahmenbedingungen einer speziellen Tätigkeit gibt es auch Aspekte, die auf ehrenamtliche Tätigkeiten generell zutreffen. Dazu zählen zum Beispiel folgende Punkte:
- Ehrenamtliche üben ihre Tätigkeit freiwillig aus.
- Ehrenamtliche handeln im Interesse des Gemeinwohls.
- Ehrenamtliche erzielen keine Einkünfte.
Diese Punkte sind hinlänglich bekannt. Das bedeutet, dass man wahrscheinlich von folgender Erwartungshaltung bei den Beteiligten ausgehen kann:
- Jemand, der seinen Einsatz für eine ehrenamtliche Tätigkeit anbietet, erwartet keine Bezahlung.
- Jemand, der eine ehrenamtliche Tätigkeit zu vergeben hat, wird nicht erwarten, dass eine interessierte Person von einer Bezahlung ausgeht.
Grundsätzlich ist es hilfreich, für sich selbst zu klären, wie man mit Erwartungen an die eigene Rolle umgehen kann und möchte. Hierbei kann es helfen, sich zunächst einmal kommunizierte oder wahrgenommene Erwartungen an die eigene Rolle zu verdeutlichen. Versuchen Sie, die Leitfrage "Wer erwartet was von mir?" auf Ihre Tätigkeit im Ehrenamt hin zu beantworten. Schreiben Sie dafür einmal sämtliche Personen auf ein Blatt Papier, die Erwartungen an Sie in Ihrer Rolle als ehrenamtliche Person haben. Notieren Sie die jeweiligen Erwartungen in Stichworten unter oder neben die Personen. Prüfen Sie anschließend:
- Gibt es Erwartungen, die nicht zusammenpassen oder sich sogar widersprechen?
- Gibt es Erwartungen, die Sie nicht erfüllen können oder wollen?
- Wie sind Sie bisher damit umgegangen?
- Sind Sie damit zufrieden? Oder was würden Sie gern ändern?
Grenzen setzen für sich selbst
Menschliches Miteinander erfordert selbstverständlich Kompromisse. Dabei kann es sich um Kompromisse mit anderen Personen handeln oder aber auch um Kompromisse mit uns selbst. Diese Kompromisse mit uns selbst gehen wir dann ein, wenn äußere Erwartungen an unsere Rolle nicht mit unseren persönlichen Vorstellungen und Werten zusammenpassen. Dann ist es notwendig, zu prüfen, wie lange oder wie intensiv wir bereit sind, diese Unvereinbarkeit hinzunehmen. Manchmal scheint es zunächst äußerst unbequem, aber auf lange Sicht lohnt es sich in der Regel, schwierige Situationen zu verändern und Widersprüche aufzulösen.
Lesen Sie folgendes Beispiel: Was könnte Sonja Ihrer Meinung nach tun?
Beispiel „Sonja“
Grenzen setzen für andere
Grenzen setzen ist also zum einen wichtig im Sinne der Selbstfürsorge. Zum anderen sind Grenzen aber auch wichtig, damit aus der Fürsorge für andere Menschen keine Bevormundung wird. Dann wäre die ehrenamtliche Tätigkeit keine Hilfe zur Selbsthilfe mehr und möglicherweise würden die Beziehung auf Augenhöhe oder die Entfaltung der unterstützten Personen leiden. Im besten Falle schützen Grenzen also uns selbst und die anderen.
Lesen Sie das Beispiel und überlegen Sie: Kennen Sie solche Situationen?
Beispiel „Nils“
Unbedacht von bestimmten Voraussetzungen auszugehen, kann die Beziehung ebenso beeinträchtigen, wie jemandem ungefragt etwas abzunehmen. Prüfen Sie deshalb regelmäßig, ob Sie auch Grenzen setzen, um anderen Selbstwirksamkeit und Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Weiterführende Materialien
Auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) können Sie mehr zur Rollentheorie (Öffnet in einem neuen Tab) erfahren.
Die Veröffentlichung „Wenn helfen nicht mehr gut tut ... Ein Wegweiser durch die Welt des Helfens“ (Öffnet in einem neuen Tab) ist eine Arbeitshilfe der Diakonie für Hauptamtliche und Ehrenamtliche.